Shitstorm

Wenn es einen Begriff gibt, der in den vergangenen Jahren wie kaum ein anderer genüsslich durch die deutschen Medien gereicht wurde, dann ist das der Shitstorm. Vielleicht liegt es daran, dass die Politiker inzwischen so langsam im Neuland Internet angekommen sind, vielleicht aber auch einfach daran, dass dieses Wort so ungemein anschaulich ist: Wie das aussieht, wenn ein Sturm aus Scheiße über jemanden hereinbricht, kann man sich nur allzu gut vorstellen.

Während unsere evolutionären Vorgänger, die Primaten, verhasste Artgenossen tatsächlich gerne mit Fäkalien bewerfen, tun wir Homo Sapiens das allerdings lieber metaphorisch. Und das Internet mit seinen flink mobilisierbaren Massen ist dabei geradezu prädestiniert für so ein Vorgehen: Kaum hat ein beliebiger CDU-Hinterbänkler mal wieder seine wenig fundierte und durchdachte Meinung zu diesem oder jenem Thema geäußert, schon schäumen die Exkremente in den Kommentarfeldern, in Blogeinträgen sowie bei Twitter und Facebook hoch.

Dann geht alles ganz schnell: Die Ablehnung potenziert und verselbstständigt sich, die sachliche Kritik rückt in den Hintergrund, und bald gilt es in erster Linie, die anderen an Häme zu übertreffen. Das Mitmachen wird dabei für Leute, die sich im Recht wähnen, fast schon zum Gruppenzwang. Bereits nach kurzer Zeit geht es nicht mehr um das inhaltliche Fehlverhalten des Shitstorm-Opfers, sondern vielmehr um die Lust am Beleidigen.

Einen Gegenbegriff zum Shitstorm gibt es allerdings auch schon: den Flauschstorm. Dabei soll man von Shitstorms gebeutelten, aber eigentlich doch ganz okayen Menschen zur Abwechslung mal sagen, wie toll sie sind und was sie alles gut machen. Der Haken dabei: Mit Wattebällchen zu werfen macht sehr viel weniger Spaß als mit Scheiße zu schmeißen.

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