Skeuomorphismus

Auch wenn es so klingt, Skeuomorphismus ist nichts, woran früher Seemänner erkrankt sind. Der Begriff stammt aus der Welt des Designs und bezeichnet die Orientierung an vertrauten Alltagsgegenständen beim Gestalten von digitalen Oberflächen. Seit den Neunzigern haben Software-Designer darauf gesetzt: So verwandelte sich der Mauszeiger in eine Sanduhr, wenn es mal wieder länger dauerte, und noch heute schmeißen wir Dateien beim Löschen in den Papierkorb, obwohl sie eigentlich nur aus Nullen und Einsen bestehen.

Solche Skeuomorphismen sollen die Benutzung vereinfachen, sie dienen sozusagen als Hilfe, um sich in der digitalen Welt auf Anhieb zurechtzufinden. Apple war mit seinen iPhone-Apps jahrelang der Meister des Skeuomorphismus – virtuelles Leder, Holz und Filz luden zum Anfassen des berührungsempfindlichen Bildschirms ein, und der digitale Notizblock ahmte das Aussehen eines klassischen Notizblocks aus Papier nach.

Inzwischen hat die massenhafte Verbreitung von Computern, Tablets und Smartphones allerdings dazu geführt, dass einem Großteil der Menschen der Umgang damit in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das Digitale ist natürlich geworden. Reminiszenzen an die analoge Vergangenheit können dadurch kitschig und unangebracht wirken. Deswegen wenden sich viele Designer nun vom Skeuomorphismus ab und versuchen, eine eigenständige digitale Ästhetik hervorzubringen. Auch Apple hat sich mittlerweile von Kalender-Apps in prachtvoller Lederoptik verabschiedet und bevorzugt ein abstrakteres, minimalistischeres Design.

Die Zeiten des Skeuomorphismus scheinen also vorbei zu sein. Doch auch wenn man das als Fortschritt sehen kann: Schade um dieses klangvolle, verschnörkelte Wort wäre es allemal.

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