Onlinekommentare

Für Journalisten ist es eigentlich schon anstrengend genug, sich zu allen möglichen Themen eine Meinung zu überlegen. Seit einiger Zeit müssen sie zusätzlich noch überlegen, wie sie mit den Meinungen der ganzen anderen Leute da draußen umgehen sollen. Denn die Leser an ihren Computern und mobilen Endgeräten können jetzt zurückkommentieren!

Vorbei sind die Zeiten, in denen pedantische Professoren ihre Nachmittage damit verbrachten, spitzzüngige Leserbriefe zu formulieren, in denen sie die „feinen Herren Redakteure“ auf Grammatikfehler und sonstiges Versagen hinwiesen. Heute geht das schneller und schmutziger. In Sekunden ist der Onlinekommentar in die Tastatur gehämmert und alle können lesen, dass der Autor des Artikels ja wohl überhaupt gar keine Ahnung hat. Ob das nun stimmen mag oder nicht, eine wirkliche Diskussion regt es meistens nicht an.

Es gibt keinen leichteren Weg, den Glauben an die Menschheit zu verlieren, als sich Kommentare unter YouTube-Videos durchzulesen. Profitipp für Hartgesottene: Wer auf eine besonders hohe Dosis Hass und Dummheit aus ist, sollte Videos wählen, in denen es um Frauen oder Schwule geht. Von den Inhaltebereitstellern gab es schon zahlreiche Versuche, dieses Idiotendickicht zu zähmen, doch genutzt hat das bisher nicht sonderlich viel.

Denn Onlinekommentare ziehen häufig eine Sorte Mensch an, mit der man nichts zu tun haben will: Leute, die ihre Tagesfreizeit nicht sinnvoller zu nutzen wissen, als ihren halb durchdachten Meinungsbrei vor die Füße anderer Leute zu kotzen. Tag für Tag mühen sie sich ab, kein Thema unkommentiert zu lassen und ihrer tristen Existenz dadurch einen Sinn zu geben. Immerhin hat es etwas Beruhigendes, dass man sich diese Art von Sisyphos als einen traurigen Menschen vorstellen kann.

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